Streaming mit Accuphase und Melco N1A

Streaming mit Accuphase geht nicht? Geht doch, und macht sogar richtig Spaß. Wir zeigen, wie.

von Olaf Adam

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Accuphase wurde 1972 in Yokohama gegründet und markiert seitdem die Spitze des japanischen Highend-Hifi. Dabei darf man sich von den traditionell champagnerfarbenen Gehäusen ebenso wenig täuschen lassen wie von der Beschriftung und den Anzeigen im charmanten 80er-Stil. Accuphase entwickelt seine Produkte und Technologien ständig weiter und reagiert auf alle neuen Trends im Markt. So haben die Japaner mit dem DC-37 einen der derzeit besten und fortschrittlichsten D/A-Wandler im Programm. Zum volldigitalen Hifi-Glück fehlt also eigentlich nur ein guter Streamer, doch den sucht man bei Accuphase leider vergebens. Wir haben ein wenig herum probiert und mit dem Melco N1A einen perfekten Spielgefährten gefunden, mit dem sich eine einfach zu bedienende Streaming-Lösung mit dem unvergleichlichen Accuphase-Sound aufbauen lässt.

Streaming mit Accuphase DC-37

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Man muss schon ein bisschen schmunzeln, wenn man das erste Mal einen Accuphase DC-37 leibhaftig vor sich sieht. Das Gehäuse im Farbton Champagner (logisch!), die (falschen?) Holzwangen an den Seiten, die verspielte Schrift der Typenbezeichnung und nicht zuletzt die anachronistische Segment-LCD-Anzeigen links und rechts des hinterleuchteten Accuphase-Logos – Der DC-37 wäre in Papas Stereo-Turm in den Siebzigern auch nicht weiter aufgefallen. Dabei hat er es faustdick und höchst modern hinter den Ohren!

Denn der DC-37 ist ein DAC bzw. D/A-Wandler der Spitzenklasse, der digitale Musik mit bis zu DSD128 und PCM 384kHz/32 bit entgegen nimmt und in feinste analoge Klänge verwandelt. Besonderes Augenmerk haben die Entwickler dabei auf die Wiedergabe von DSD bzw. SACD gelegt. Der DC-37 übernimmt dafür die Accuphase-eigene MDSD-Technologie vom größeren DC-901. Dabei führt ein frei programmierbarer FPGA-Chip ein Upsampling des eingehenden DSD-Signals aus und bearbeitet das Signal mit einem aufwändigen Filter mit gleitendem Mittelwert, um eine nahezu rauschfreie D/A-Wandlung zu ermöglichen. Um diese wiederum kümmert sich pro Kanal je ein 32bit-DAC mit jeweils acht parallelen Schaltungen. Liegen PCM-Signale an, werden diese DACs direkt angesteuert.

Mit dem so gewonnenen analogen Signal geht der DC-37 anschließen ebenfalls extrem sorgfältig um. Die Analogsektion verfügt über ein komplett unabhängiges Netzteil, um hochfrequente Störeinflüsse des Digitalbereichs von Anfang an zu vermeiden. Die symmetrischen und unsymmetrischen Signalwege im Inneren des DC-37 sind zudem vollständig unabhängig voneinander und werden getrennt gefiltert. So kann man bedenkenlos beide Ausgänge gleichzeitig benutzen, ohne Interferenzen befürchten zu müssen.

Der Streamer

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Der DC-37 bringt alle Vorraussetzungen mit, um ein digitales Signal in höchsten Musikgenuss zu wandeln. Doch außer den bekannten (und hervorragenden) SACD-Playern bietet Accuphase selbst keine digitalen Quellen an. Und einfach einen x-beliebigen Streamer an diesen hochwertigen DAC anzuschließen, wäre fast schon ein Sakrileg.

Es lag also nahe, dass wir uns auf die Suche nach der bestmöglichen Digital-Quelle für diesen Ausnahme-Wandler begeben haben. Und eigentlich war die Suche schnell zu Ende, denn der Melco N1A drängt sich hier als Lösung geradezu auf.

 

Melco – Speicher-Lösung mit Audio-Tradition

Zunächst einmal ist der N1A viel mehr als ein Streamer sondern versteht sich vor allem als digitale Musikbibliothek. Angestoßen wurde die Entwicklung von niemand Geringerem als Makoto Maki, seines Zeichens Gründer und Chairman von Buffalo Inc., einem der weltweit führenden Hersteller von Festplatten und Speicherlösungen. Makoto Maki frönt nämlich seit Jahrzehnten seiner Liebe zu hochwertigem Hifi und gründete sein Unternehmen (damals unter dem Namen Maki Engineering Laboratory Company – MELCO) als Hifi-Hersteller. Nach der Vorstellung einiger viel beachteter Plattenspieler verlagerte sich die Tätigkeit von Melco immer mehr in Richtung Audiokomponenten und -Zubehör, und schließlich in Richtung Computerperipherie und Festplatten. Während der Markenname Buffalo in diesem Bereich weltbekannt wurde, firmiert die Muttergesellschaft nach wie vor unter dem Namen Melco Holdings.

 

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Maki-san hat mittlerweile natürlich viel mehr Zeit für sein Hobby als früher und hat dabei immer mit den neuesten Entwicklungen Schritt gehalten. Folgerichtig wandte er sich vor einigen Jahren mit dem Wunsch nach einer Netzwerk-Festplatte an seine Buffalo-Ingenieure. Einzige Bedingung: Der Musikspeicher sollte in allen Belangen seinen audiophilen Klang-Ansprüchen genügen.

Um es kurz zu machen: Die Ingenieure mussten schnell fest stellen, dass ihre bewährten und millionenfach verkauften Standard zwar schnell und zuverlässig liefen, jedoch klanglich enorm zu wünschen übrig ließen. Es folgten etwa drei Jahre intensiver Entwicklungsarbeit, bei denen zunächst heraus gefunden werden musste, warum eine Festplatte im Netzwerk überhaupt einen klanglichen Einfluss haben kann. Der Durchbruch gelang schließlich, als mit Alan Ainslie ein echter Audiomann ins Team geholt wurde, der sich vorher bereits bei Chord und Naim intensiv mit Musikstreaming über Netzwerke auseinander gesetzt hatte.

 

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Der Melco N1 übernimmt das Streaming-Kommando im Netzwerk und stellt dem Player bzw. DAC perfekt aufbereitete Daten zur Verfügung

 

Als Ergebnis dieser kongenialen Kooperation stehen mit dem N1A und dem N1Z nun die seit Jahrzehnten ersten Produkten unter dem Markennamen Melco zur Verfügung. Die beiden unterscheiden sich im Wesentlichen durch die verwendeten Speicher (magnetische Festplatten im N1A, speziell entwickelte ‚Audiograde‘ SSD-Speicher im N1Z). Das Grundprinzip ist hingegen bei beiden Modellen gleich. Einfach gesagt übernimmt der N1 die Kontrolle über den gesamten Datenverkehr im Musiknetzwerk, sortiert und überprüft die entsprechenden Datenpakete und stellt den Musikstream  extrem zeitgenau und somit frei von Jitter zur Verfügung. Am besten funktioniert das natürlich mit Musikfiles, die im internen Speicher abgelegt sind. Doch die einzigartige Netzwerktechnologie des Melco birgt sogar das Potential, den Klang jedes digitalen Musiksignals, dass über ihn gestreamt wird, zu verbessern. Also profitiert die eigenen Musiksammlung auf einem vorhandenen NAS ebenso vom Melco-Klang wie der Spotify-Stream für nebenbei.

 

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In der Praxis: Streaming mit Accuphase und Melco

Das alles ist natürlich graue Theorie, und in der Tat auch recht komplex, wenn man ins technische Detail einsteigt. Was zählt, ist die Praxis. Und unser ‚Versuchsaufbau‘ im Hörstudio 07 des AUDITORIUM Hamm hat belegte dann auch schnell das enorme Klangpotential der Kombination aus Accuphase DC-37 und Melco N1A. Der DC-37 ist wie beschrieben ein hervorragender Wandler und die Accuphase-Kette mit Avantgarde Acoustic Trio als Lautsprechern hat auch vorher wahrlich nicht schlecht geklungen. Doch die Ergänzung um den Melco N1A als Zuspieler hebt das Ganze tatsächlich noch einmal auf ein ganz anderes Niveau.

 

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Das wird besonders dann Augen- und ohrenfällig, wenn man die Accuphase-Elektronik mit sehr hoch aufgelösten Musikdaten füttert, die es eben nur als Download und nicht auf Datenträger gibt. Die Kombination aus DC-37 und N1A verträgt sich mit DSD-Dateien bis zu 5.6448 MHz (DSD128 = doppelte Auflösung der SACD) und PCM-Dateien bis zu 384kHz/32 bit, also der derzeit besten verfügbaren Studio-Master-Qualität. Um die enorme Detailtiefe solcher hochwertiger Aufnahmen würdigen zu können, muss natürlich in der Anlage alles passen, und hier ist das definitiv der Fall.

 

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Die Bedienung des Streaming-Systems ist einfach, könnte jedoch etwas eleganter gelöst sein. Grundsätzlich ist es möglich, die zu spielenden Stücke direkt am Display des Melco N1A auszuwählen, doch das ist umständlich und wenig zeitgemäß. Eine eigene App zur Steuerung bietet Melco derzeit nicht an, man muss also auf eine andere UPnP-Anwendung wie den verbreiteten PlugPlayer zurückgreifen. Dort definiert man dann den Melco N1A sowohl als Quelle („Server“) als auch als Abspieler („Renderer“) und schließt den Accuphase DC-37 über USB an. Wie gesagt, das funktioniert, schön ist jedoch anders. Als UPnP-Server verfügt der Melco über eine kleine aber praktische Besonderheit: Er bietet die Sortierung bzw. Suche der gespeicherten Musikdaten nach Format und Auflösung an. Damit findet man im Handumdrehen die besten Stücke, um die Fähigkeiten der Anlage auszureizen.

 

Nicht hübsch, aber funktional – Steuerung mit der PlugPlayer-App

Nicht hübsch, aber funktional – Steuerung mit der PlugPlayer-App

 

Hoch aufgelöstes Musik-Streaming mit Accuphase – es geht also, und mit wirklich umwerfenden Ergebnis!

Weitere Informationen:

Accuphase DC-37
Melco N1A

 

Auditorium

Author: Auditorium

AUDITORIUM - Leidenschaft für Bild & Ton

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