4K, HDR & digitale Kopien – Die Ultra HD Blu-ray kommt in 2016

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Große Ereignisse werfen bekanntlich ihre Schatten voraus, und deshalb überrascht es kaum, dass eines beherrschenden Themen der CES in Las Vegas (6-9.01.2016) schon Wochen vorher bekannt war. Denn bereits während der letzten IFA hat sich abgezeichnet, wohin die (Heimkino-)Reise gehen wird: 2016 soll das Jahr der Ultra HD Blu-ray werden. Doch welche Neuerungen bringt das Format, was braucht man, um es zu nutzen, und ist das alles wirklich sinnvoll? Hier die wichtigsten Antworten:

 

Seit 2013 gibt es Fernseher mit 4K-Fernseher zu kaufen, doch außer mit selbst geschossenen Fotos konnte man die gewaltige Auflösung von 3.840 x 2.160 Pixeln kaum ausreizen, da schlicht die Quellen fehlten. Das soll sich 2016 ändern, und zwar höchstwahrscheinlich schon in den ersten Monaten des Jahres. Denn dann sollen die ersten Abspielgeräte zur Verfügung stehen, die Discs nach dem neuen Standard der Ultra HD Blu-ray abspielen können.

Der Name spricht Bände – es geht vor allem darum, Filme in hoher Auflösung in die Heimkinos und Wohnzimmer zu bringen, ohne dass dafür die Internetleitung beim Streaming glühen muss. Ein Ultra-HD-Video hat viermal so viele Pixel pro Bild wie ein herkömmlicher Full-HD-Film und benötigt dementsprechend auch mehr Speicherplatz. Und da zudem eine paar andere speicherhungrige neue Features (dazu später mehr) in den Standard integriert wurden, musste erst einmal ein Datenträger her, der diese Menge an Daten speichern und mit ausreichend hoher Bandbreite auslesen kann. Dafür sieht die für den Standard verantwortliche Blu-ray Disc Association (BDA) zwei- oder dreilagige optische Disks mit 66GB bzw. 100GB Speicherplatz vor, die Datenraten von 108Mbit/s bzw. 128Mbit/s unterstützen werden.

3D nur in Full HD, Audioqualität wie bei Blu-ray

Das klingt nach einer Menge Platz, würde aber nach Ansicht der BDA nicht für 3D-Filme mit voller 4K-Auflösung pro Auge ausreichen – weshalb das im Standard auch gar nicht erst vorgesehen ist. 3D ist zwar weiterhin Bestandteil der neuen Spezifikation, jedoch lediglich in Full-HD-Auflösung. In Sachen Sound bringt die Ultra HD Blu-ray ebenfalls keine Verbesserung im Vergleich zum Vorgängerformat. Das überrascht allerdings nicht, denn schließlich sind mit Dolby Atmos und DTS:X die beiden immer noch nagelneuen objektbasierten Audioformate an Bord, die weder bei der Anzahl der Kanäle noch bei der Klangqualität irgendwelche realistischen Wünsche offen lassen. Übrigens: Alle Player für die neue Ultra HD Blu-ray werden auch herkömmliche Blu-rays abspielen können.

 

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Wird das der erste in Europa verfügbare Ultra-HD Blu-ray-Player sein? Nach der CES wissen wir (hoffentlich) mehr …

 

Also bleibt das Bild, und hier sollten die neuen Scheiben in der Tat einen gewaltigen Schritt nach vorn bedeuten. Dabei kann man sich vielleicht darüber streiten, ob und ab welcher Bildschirmgröße die erhöhte Auflösung tatsächlich echte Vorteile bietet. Doch die Ultra HD Blu-ray hat mit größerer Farbtiefe und vor allem HDR (High Dynamic Range) noch Einiges mehr zu bieten.

HDR – wichtiger als 4K-Auflösung?

HDR schwirrt als ‚buzzword‘ bereits seit ein paar Jahren durch die Szene, und mit Sicherheit wird es große Teile der CES-Berichterstattung beherrschen und die Seiten der Fachpresse auch im Anschluss bevölkern. Böse Zungen behaupten, nach Full HD, 3D, Ultra-HD etc. wäre dies einfach nur das nächste Marketing-Kürzel, dass den Kunden aufgeschwatzt werden soll. Dabei hat diese Technik durchaus das Zeug dazu, eine echte Revolution im TV-Bereich zu sein, und bringt vielleicht sogar mehr zusätzliche Bildqualität als die Ultra-HD-Pixelschlacht. Denn während der Effekt einer höheren Auflösung stark abhängig von Bildgröße und Blickentfernung ist, bringt der höhere Dynamikumfang in jedem Fall immer einen deutlich verbesserte Bildqualität.

Vereinfacht gesagt bedeutet HDR einen größeren möglichen Unterschied zwischen dem dunkelsten und dem hellsten Fleck in einem Bild. Und da dies im Falle eines Fernsehers vor allem durch eine höhere Helligkeit realisiert wird, wirkt das Bild in jedem Fall sofort brillanter. Viel wichtiger ist jedoch, dass durch den erweiterten Dynamikumfang von HDR vor allem feine Helligkeitsunterschiede deutlich besser aufgelöst und dargestellt werden können. Mit anderen Worten: wo ein ’normaler‘ 4K-Fernseher lediglich eine uniforme schwarze Fläche zeigt, kann ein HDR-Fernseher noch sichtbare Details darstellen.

Damit das klappt, muss allerdings die komplette Kette HDR-tauglich sein. Das fängt bereits bei der Blu-ray an, denn wahrscheinlich werden zu Beginn nicht alle Ultra HD Blu-rays über HDR-Bildspuren verfügen. Um volle Kompatibilität auch mit älteren Fernsehern sicher zu stellen, werden die HDR-Bildinformationen nämlich als Zusatzdaten an das normale Bild angedockt. Es bleibt also dem Endgerät überlassen, ob es den Film mit HDR oder normalem Dynamikumfang anzeigt. Alle Player für Ultra HD Blu-rays müssen jedoch vom Start weg in der Lage sein, HDR wiederzugeben. Für diese HDR-Informationen hat die BDA selbst einen Standard namens ‚BD HDR‘ entwickelt, das vergleichbare Format Dolby Vision wird ebenfalls unterstützt.

Legale digitale Kopien

Doch nicht nur um eine bessere Bildqualität hat sich die BDA bei der Entwicklung des Standards gekümmert, man hat sich auch Gedanken über moderne Nutzungsmöglichkeiten der Inhalte gemacht. So sieht die Spezifikation die so genannte ‚Digital Bridge‘ vor. Dabei handelt es sich um eine spezielle Rechtsverwaltung, mit der es möglich sein soll, die auf Ultra HD Blu-ray gekauften Filme auf Geräte wie zum Beispiel Tablets zu exportieren. Klingt prima, hat aber einen gewaltigen Haken: Die Digital Bridge ist ein optionales Feature, d.h. es bleibt den Blu-ray-Anbietern überlassen, ob sie diese Funktion anbieten oder nicht. Es bleibt also abzuwarten, wie diese Möglichkeit von den Studios und Vertrieben angenommen wird und ob es überhaupt sinnvoll nutzbar sein wird.

 

Das letzte Aufgebot?

Lange war es unklar, ob es nach der Blu-ray überhaupt noch einmal ein neues optisches Speichermedium für das Heimkino geben würde. Wegen der benötigten Datenmengen und Übertragungsbandbreiten wurde intensiv über eine Art Pfandmodell mit austauschbaren Festplatten nachgedacht. Und da die Zeichen der Zeit ganz klar darauf hindeuten, dass dem Streaming digitaler Inhalte à la Spotify und Netflix die Zukunft gehören wird, sah es für eine Weile gar nicht gut aus für einen Blu-ray-Nachfolger. Doch alle Heimkinofans, die Filme eben nicht nur konsumieren sondern auch genießen und ihre Sammlung zur Schau stellen wollen, dürfen erst einmal aufatmen. Die Ultra HD Blu-ray kommt auf jeden Fall, die Liste der bereits geplanten Veröffentlichungen (s.u.) ist zumindest schon einmal ein guter Anfang. Wie lange sie bleibt, das ist allerdings eine andere Frage.

Ultra HD Blu-ray: Geplante Veröffentlichungen

(Stand 03.01.2016, ohne Gewähr)

 

Die Bombast-Action des jüngsten "Mad Max"-Streifens schreit förmlich nach einer Ultra-HD-Veröffentlichung – aber bitte mit HDR und Dolby Atmos!

Die Bombast-Action des jüngsten „Mad Max“-Streifens schreit förmlich nach einer Ultra-HD-Veröffentlichung – aber bitte mit HDR und Dolby Atmos!

 

Warner:

  • Mad Max: Fury Road
  • San Andreas
  • The Lego Movie
  • Pan
  • (laut Ankündigung sollen zudem alle Neuerscheinungen in 2016 auch auf Ultra HD Blu-ray erscheinen)

Fox:

  • Der Marsianer (The Martian)
  • Hitman: Agent 47
  • Maze Runner 2 – Die Auserwählten in der Brandwüste (Maze Runner: The Scorch Trials)
  • Exodus: Götter und Könige (Exodus: Gods and Kings)
  • Kingsman: The Secret Service
  • X-Men: Zukunft ist Vergangenheit (X-Men: Days of Future Past)
  • Life of Pi
  • The Maze Runner
  • Wild
  • Fantastic Four (derzeit nur USA, da die Rechte in D bei Constantin liegen)

Sony:

  • The Amazing Spider-Man 2
  • Salt
  • Hancock
  • Chappie
  • Ananas Express
  • Die Schlümpfe 2
Auditorium

Author: Auditorium

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